Spatenstich für neue Voliere in Yukon Bay im Erlebnis-Zoo Hannover

Seit Ende 2017 steht die Schneeeule erstmalig als gefährdet auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN: Der Bestand in der arktischen Tundra ist um 50 Prozent zurückgegangen! Höchste Zeit, die Eulen mit dem weißen Gefieder und den wärmenden Federbüscheln an Beinen und Füßen mehr ins Rampenlicht zu stellen, fanden die Zoofreunde Hannover e.V.  und sammelten für ein neues Reich der Eulen in der Kanadalandschaft Yukon Bay.  Mit einem symbolischen ersten Spatenstich durch Christian Wagner, Tomas Klingemann und Frank-Dieter Busch von den Zoofreunden gemeinsam mit Zoo-Geschäftsführer Andreas M. Casdorff begannen gestern die Bauarbeiten an der Voliere.

Und die wird, wie jedes Gebäude in Yukon Bay, natürlich ihre eigene Geschichte haben: In der ehemaligen Goldgräberstadt haben sich die Schneeeulen im alten Wasserturm mitsamt anliegendem Materiallager eingenistet. In dem Lager unter der hölzernen Wasserrinne zur Goldwaschanlage stapelt sich noch immer das Werkzeug der Goldgräber – die Holzfässer, Werkzeuge, Kisten und Feuerholz bieten den Eulen beste Sitzmöglichkeiten und Brutplätze. Auf dem einst festgetretenen Schuppenboden haben sich Gras und Büsche ausgebreitet und geben den Vögeln Rückzugsmöglichkeiten, lockeres Erdreich zwischen Baumwurzeln kann als Sandbad genutzt werden.

Zudem kommt noch mehr Schwung in das ideal eingerichtete Eulenreich im Goldgräberlager durch zwei neue Mitbewohner, mit denen die Schneeeulen vergesellschaftet werden: Bartkäuze. Die großen grauen Eulen beeindrucken durch einen imposanten Gesichtsschleier und ihren durchdringenden Blick. Im Gegensatz zu den bodenbrütenden Schneeeulen sind Bartkäuze Waldbewohner, die sich auf Bäumen wohl fühlen, so dass sicher bald jede Ebene des Eulenreiches besetzt sein wird.

Als der Verein der Zoofreunde im vergangenen Jahr anlässlich seines 50jährigen Bestehens ein Projekt im Zoo suchte, das er aus vereinseigenen Mitteln finanzieren könnte, fiel die Wahl auf die Schneeeulen. „Der Zoo war von unserer Idee sofort begeistert“, erzählt der Vereinsvorsitzende, Christian Wagner, „die Veränderung des Eulenreiches stand dort schon lange auf der Zoo-Wunschliste.“  Insgesamt 150.000 Euro, die aus einer Erbschaft und Einnahmen der verschiedensten Aktionen der engagierten Zoofreunde stammen, gingen als Spende an die Zoostiftung Region Hannover, mit der nun die Voliere für die gefährdeten Vögel ausgebaut werden kann.

„Wir danken den Zoofreunden herzlichst, dass das Eulenreich in Yukon Bay durch ihr Engagement ein echter Hingucker wird und wir dadurch noch besser über die Biologie der Vögel und ihre Bedrohung informieren können“, so Casdorff.

Bauvorbereitend wurde bereits die Wegeführung zu den Eulen geändert, die nun an den Panorama-Scheiben zur Meeresbucht mit Eisbären und an den Goldwaschrinnen vorbeiführt, direkt zum alten Wasserturm, neben dem sich die Eulen voraussichtlich im Mai im ehemaligen Goldgräber-Lager einnisten werden.

Setzten den ersten Spatenstich für das neue Eulenreich: Andreas M. Casdorff, Tomas Klingemann, Frank-Dieter Busch und Christian Wagner (von links). Foto: Erlebnis-Zoo Hannover

 

Steckbrief: Schneeeule (Bubo scandiacus)

Lebensraum:  Arktische Tundra
Größe:            55 bis 70 cm (Weibchen sind etwas größer und schwerer als Männchen)
Gewicht:         700-2950 Gramm
Brutzeit:          31-33 Tage
Nahrung:         Vor allem Lemminge und andere Wühlmäuse, Vögel, seltener Fische
Lebenserwartung: bis 28 Jahre in menschlicher Obhut

 

Update der Roten Liste 2017

Seit 1988 stand die Schneeeule als “Nicht gefährdet” auf der Roten Liste. Doch das hat sich mit dem Update der Roten Liste im Dezember 2017 leider deutlich verändert. Die Eulenart hat die Kategorie “Potentiell gefährdet” übersprungen und steht nun als “Gefährdet” auf der Roten Liste der IUCN.

Basis der neuen Einschätzung sind die starken Bestandsrückgänge vor allem in Nordamerika und wahrscheinlich auch in Nordeuropa und Russland. Frühere Studien gingen von einer weltweiten Population von 200.000 Brutpaaren aus. Die neusten Schätzungen belaufen sich nur noch auf etwa 14.000 Paare oder noch weniger. Die genauen Gründe sind noch nicht geklärt, Wissenschaftler vermuten jedoch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Beutetiere sowie Kollisionen von Schneeeulen mit Fahrzeugen und Infrastruktur. Die genauen Rückgänge der Bestände sind noch nicht genau erfasst, könnten jedoch dazu führen, dass die Schneeeulen sogar noch weiter hochgestuft werden muss.

(PM)

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